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Prolongation von Darlehen

Christopher Schreiner, Geschäftsführer der Finanzkanzlei am See GmbH, mit ein paar kurz zusammengefassten Tipps zum Thema Prolongation von Darlehen.

Prolongation – Was heißt das ?

Darunter versteht man die Verlängerung bereits bestehender Darlehen, deren Zinsbindung in absehbarer Zeit ausläuft, die aber noch nicht vollständig getilgt sind. In diesen Fällen besteht weiterhin Kreditbedarf, der über die Verlängerung des Darlehens zu aktuellen Bedingungen gedeckt werden muss. Dasselbe versteht man auch unter dem Begriff „Anschlussfinanzierung“.

Niedrigzinsphase als Chance

Nachdem derzeit historisch niedrige Darlehenszinsen vereinbart werden können, kommt der Auslauf einer z.B. vor 10 Jahren abgeschlossenen Zinsbindung natürlich wie gerufen. Denn vor 10 Jahren wurden die Darlehen zu Zinssätzen von 3,8% bis 4,0% p.a. abgeschlossen, während sich derzeit je nach Laufzeit Zinsen von 0,8% bis 1,5% p.a. vereinbaren lassen. Letztlich also eine Milchmädchenrechnung: Eine Zins-Minderbelastung von 2,0% p.a. macht je EUR 10.000.- Darlehenssumme im Jahr einen Betrag von EUR 200.- aus. Bares Geld, das man bei Vereinbarung aktueller Zinssätze sparen bzw. sinnvoll anderweitig verwenden kann.

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Die richtige Vorgehensweise

Zunächst gilt es, die bestehenden Vereinbarungen zu überprüfen und dabei insbesondere die Restlaufzeit der bisherigen Zinsbindung sowie die aktuelle Valuta des bestehenden Darlehens festzustellen. Auf dieser Grundlage lässt sich unter zusätzlicher Berücksichtigung der aktuellen Vermögens- und Einkommenssituation ermitteln, zu welchen Bedingungen das bestehende Darlehen verlängert bzw. auf ein neues Darlehen bei einem anderen Bankinstitut umgeschuldet werden kann.

Restlaufzeit

Dabei ist es noch nicht einmal erforderlich, dass der Auslauf der bisherigen Zinsbindung unmittelbar bevorsteht. Auch wenn noch eine etwas längere Restlaufzeit besteht, lohnt es sich wegen der aktuell niedrigen Zinsen, eine Vergleichsberechnung dahingehend anzustellen, ob sich ein Ausstieg aus dem bestehenden Darlehen trotz bevorstehender Vorfälligkeitsentschädigung kurz- oder mittelfristig „rechnet“, also lohnt. Denn bei geringen Restlaufzeiten fällt auch die an die bislang finanzierende Bank zu entrichtende Vorfälligkeitsentschädigung entsprechend gering aus und lässt sich kalkulatorisch entsprechend schnell durch die zu erwartende Zinsersparnis neutralisieren. Und wenn der ursprüngliche Darlehensvertrag für eine Laufzeit von mehr als 10 Jahren abeschlossen wurde und seit Vertragsschluss mehr als 10 Jahre vergangen sind, hat man ohnehin ein Sonderkündigungsrecht und kann sich aus dem bestehenden Darlehensvertrag ohne Vorfälligkeitsentschädigung „verabschieden“.

Verwendung der Zinsersparnis

Was tun mit den frei werdenen Mitteln ? Diese Frage lässt sich natürlich nicht allgemein beantworten und hängt von der individuellen Planung jedes Einzelnen ab. Aus unserer Sicht sollte man aber auf jeden Fall in Erwägung ziehen, die Zinsersparnis insgesamt oder überwiegend in höhere Tilgungsraten zu stecken. Auf diese Weise wird das neu abzuschließende Darlehen schneller getilgt, wird die Immobilie also schneller schuldenfrei.

Derartige Überlegungen empfehlen sich vor dem Hintergrund der Tatsache, dass niemand genau vorhersagen kann, wie lange die derzeitige Niedrigzinsphase noch anhält. Natürlich hängt eine diesbezügliche Entscheidung immer von der restlichen Darlehensvaluta ab. Wenn man die Zinsen aber z.B. auf 10 Jahre festschreibt und bei Vereinbarung einer Tilgungsrate von nur 1% p.a. auch nach Ablauf von 10 Jahren noch eine Restschuld verbleibt, dies aber bei einer Tilgungsrate von 3% p.a. nicht der Fall wäre, kann sich die Vereinbarung der höheren Tilgung anbieten. Unter dem Strich bewirkt das im Verhältnis zur bisherigen Darlehensrate (Zins + Tilgung) keine Mehrbelastung, gibt einem aber die Gewissheit, dass man in 10 Jahren (bei dann möglicherweise wieder höherem Zinsniveau) nicht erneut weiterfinanzieren muss.

Diese Überlegungen bieten sich zusätzlich aber auch unter dem Gesichtspunkt der Altersvorsorge an. Das betrifft typischerweise Darlehensnehmer, die auf die Rente zusteuern. Der Eintritt in den Rentenstatus ist regelmäßig mit eine Verschlechterung der Einkommensituation verbunden. Da sollte man bestrebt sein, spätestens mit Erreichen des Rentenalters über eine schuldenfreie Immobilie zu verfügen und nicht gezwungen zu sein, bei geringerem Einkommen immer noch Belastungen aus der Immobilienfinanzierung tragen zu müssen.

Nächste Schritte

Gerne sind wir bereit, im Einzelfall zu prüfen, ob, wann und zu welchen Bedingungen die Prolongation eines bestehenden Darlehens in Angriff genommen werden kann und soll. Bei Bedarf können Interessierte gerne Kontakt mit uns aufnehmen und einen Beratungstermin vereinbaren.

 

Sh. auch: Anschlussfinanzierung – Vergleichen lohnt sich

 

Quelle Artikelbild: Thorben Wengert  / pixelio.de