Wohnimmobilienkreditrichtlinie

Vor ca. einem Jahr trat die Wohnimmobilienkreditrichtlinie (WKR)  in Kraft.

Einerseits enthält sie eine Reihe von gesetzlichen Verschärfungen der Anforderungen, die Kreditinstitute beim Abschluss von Darlehensverträgen zu beachten haben. Auf der anderen Seite regelt  die Wohnimmobilienkreditrichtlinie aber auch Bedingungen und Qualifikationen, die Finanzberater zu erfüllen haben, um überhaupt als solche tätig werden zu dürfen.

Übergangsfrist heute abgelaufen

Für Finanzberater, die zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Wohnimmobilienkreditrichtlinie bereits tätig waren, wurde eine Übergangsfrist geschaffen. Binnen dieser Frist hatten sie Zeit und Gelegenheit, die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen.

Diese Frist ist heute abgelaufen. Das bedeutet: Grundsätzlich müssen sie nunmehr über eine Gewerbeerlaubnis nach § 34i GewO verfügen. Solche Finanzberater, die seit dem 21.03.2011 im Besitz einer Gewerbeerlaubnis nach § 34c GewO verfügen und seither ununterbrochen Darlehen vermittelt haben, mussten bis heute den Nachweis erbringen, dass sie

  • seit dem 21.03.2011 ununterbrochen in Sachen Darlehensvermittlung tätig waren und beraten haben;
  • die nunmehr auch für sie erforderliche Erlaubnis nach § 34i GewO beantragt haben.

Alle Finanzberater, die nicht unter die Übergangsregelung fallen, müssen höhere Anforderungen erfüllen, nämlich sofort

  • den sog. Sachkundenachweis erbringen;
  • die Erlaubnis nach § 34i GewO beantragen und in diesem Rahmen ihre Zuverlässigkeit, geordnete Vermögensverhältnisse sowie eine Berufshaftpflichtversicherung nachweisen.

Wer die genannten Anforderungen nicht erfüllt und trotzdem als Darlehensvermittler auftritt, handelt ohne gesetzliche Grundlage, also illegal.


Interessante Auswirkungen der Wohnimmobilienkreditrichtlinie

Die WKR enthält aber wie gesagt auch Verschärfungen der Bedingungen, die Kreditinstitute bei der Kreditvergabe an ihre Kunden zu beachten haben. Das betrifft u.a. Anforderungen an die theoretische Möglichkeit, wie und in welchem Umfang ein Kunde das Darlehen zu Lebzeiten zurückzahlen (können) muss.

Diese Regelungen haben sich statistisch unmittelbar auf die tatsächlichen Kreditvergaben ausgewirkt. Betrachtet man den Zeitraum von 11 Monaten vor Inkrafttreten der WKR und vergleicht ihn mit dem Zeitraum von 11 Monaten nach dem Inkrafttreten der WKR, kann man feststellen, dass

  • die Anzahl der Kreditvergaben an die Altersgruppe der 18-40-Jährigen tendenziell gesteigen ist;
  • die Anzahl der Kreditvergaben an die Altersgruppe der 40-70-Jährigen signifikant zurück gegangen ist.

Sehr schön lässt sich diese Entwicklung an folgender Grafik ablesen:


Wohnimmobilienkreditrichtlinie 2017


Wer sich über dieses Thema weitergehend informieren möchte, sollte diesen Artikel auf der Seite unseres Partners Dr. Klein AG lesen.

Übrigens sind ganz aktuell schon weitere Änderungen der Wohnimmobilienkreditrichtlinie geplant. Es wird damit gerechnet, dass hierüber im Deutschen Bundestag in den nächsten Wochen entschieden wird. Der entsprechende Gesetzentwurf der Bundesregierung liegt vor. Der Bunderat hat hierzu bereits Stellung genommen. Und der zuständige Finanzausschuss hat am 8. März 2017 die Sachverständigenanhörung zu diesem Thema durchgeführt.

Es wird also weitere Regelungen zur Regulierung geben, und man darf gespannt sein, wie sich das alles in der Praxis auswirkt.


Wir von der Finanzkanzlei am See haben alle erforderlichen Qualifizierungs- und Genehmigungsnachweise längst erbracht und begrüßen es grundsätzlich vor allem, dass unser Berufsstand endlich einer Mindestregulierung unterworfen wurde. Auf diese Weise ist es gelungen und wird es auch weiterhin gelingen, „schwarze Schafe“ aus dem Markt zu entfernen, was letztlich vor allem den Finanzierungsinteressenten und -kunden zugute kommt.


Beitragsbild: Thorben-Wengert_pixelio.de