Einfluss der EZB auf Zinsentwicklung

Wer heute oder in naher Zukunft eine Baufinanzierung planen und vereinbaren muss, hat natürlich die aktuelle Zinsentwicklung im Blick. Die Bauzinsen unterlagen in den letzten Wochen einigen Schwankungen, über deren Ursachen umfangreich diskutiert wurde und wird.

Beeinflusst die Anleihestrategie der Europäischen Zentralbank (EZB) die Zinsentwicklung oder umgekehrt die Zinsentwicklung die Anleihestrategie der EZB ?

Diese Frage kann man sich nach der Lektüre eines Beitrags stellen, der unter dem Titel „Nach Zinssprung neue EZB-Strategie“ bei Immobilienscout24 erschienen ist.

Ungeachtet dieser Frage lässt sich auf jeden Fall eine Tendenz feststellen: Ein hohes Maß an Anleihekäufen durch die EZB bewirkt nach bisherigen Erfahrungen, dass das derzeit ohnehin niedrige Zinsniveau gehalten wird oder die Zinsen sogar fallen. Die EZB hat sich wohl aktuell dahingehend positioniert, dass sie vorbehaltlich „normaler“ saisonaler Schwankungen Anleihen unverändert nachfragen wird. Hieraus wird geschlossen, dass jedenfalls unter Berücksichtigung dieser Bedingung mit einem signifikanten Antieg der Zinsen nicht zu rechnen ist.

Keine Garantie

Für derartige Prognosen gibt es aber keine Garantie, zumal die Zinsentwicklung nicht nur vom Verhalten der EZB abhängt und sich auch andere Einflüsse auf die Höhe der Zinsen auswirken können. Deshalb wird die Frage nach den Ursachen für Zinssteigerungen und -senkungen teilweise sehr kontrovers diskutiert. Man ist daher gut beraten, die aktuelle Zinsentwicklung immer im Blick zu haben, wenn man zum Beispiel in nächster Zeit ein Immobilienvorhaben realisieren möchte.

Was muss beachtet werden ?

Wenn man innerhalb der nächsten Zeit an die Realisierung eines Immobilienvorhabens gehen und sich die derzeit günstigen Zinssätze sichern möchte, um nicht Schwankungen bzw. insbesondere Zinssteigerungen erleben zu müssen, kann man auch an den sofortigen Abschluss eines Darlehensvertrages denken, um die derzeit günstigen Konditionen zu sichern. Zwar fallen für eine hierbei zwangsläufig zu verzeichnende Zwischenzeit der Nichtinsanspruchnahme des Darlehens üblicherweise Bereitstellungszinsen an. Man kann aber bei der finanzierenden Bank darauf hinwirken, dass für einen bestimmten Zeitraum der Bereitstellung auf Geltendmachung von Bereitstellungszinsen verzichtet wird.

Von dieser Lösung zu unterscheiden ist der Fall, dass bei einer bereits bestehenden Finanzierung in absehbarer Zeit die Zinsbindung ausläuft und eine neue Darlehensvereinbarung mit neuen Konditionen geschlossen werden muss. In diesen Fällen kommt der Abschluss eines sog. Forward-Darlehens in Betracht. Forward-Darlehen sind aber in der Regel mit einem Zinsaufschlag verbunden. Ob einem die Sicherung der derzeitigen Bedingungen vor dem Hintergrund einer durchaus nicht ganz klaren weiteren Entwicklung der Bauzinsen diesen Aufschlag wert ist, muss man selbst beurteilen.

Eine Frage der Nervenstärke

Letztlich kommt es darauf an, ob man bereit ist, für ein optimales Zinsergebnis ein gewisses Risiko von zwischenzeitlich möglicherweise eintretenden Zinssteigerungen einzugehen.

Wer auf weitere Zinssenkungen spekuliert und mit dem Abschluss einer Baufinanzierung deshalb abwarten möchte, geht das Risiko von Zinssteigerungen zwangsläufig ein.

Wer demgegenüber kein Risiko eingehen möchte und wem das Spekulieren auf Zinssenkungen zu nervenaufreibend ist, kann sich die derzeit ohnehin schon sehr niedrigen Zinsen sichern, indem er sich im Hinblick auf eine demnächst anstehende Baufinanzierung das aktuelle Zinsniveau durch verbindlichen Abschluss eines Darlehensvertrages sichert.

Tilgung nicht vergessen

Man sollte angesichts der niedrigen Zinsen aber so oder so die Höhe der Tilgung im Auge behalten. Abgesehen davon, dass die Banken beim derzeit niedrigen Zinsniveau in der Regel (deutlich) höhere Tilgungssätze als 1% p.a. fordern bzw. zumindest gerne sehen, macht das auch im eigenen Interesse Sinn. Was bringt es einem, wenn man während der Niedrigzinsphase wenig tilgt und sich dann nach Ablauf der Zinsbindung bei entsprechend hohem restlichen Darlehenssaldo mit möglicherweise deutlich höheren Zinsen konfrontiert sieht ? Man sollte also – abhängig von Laufzeit und Leistungsfähigkeit – anstreben, die Niedrigzinsphase für eine deutliche Teil- oder sogar Volltilgung des Darlehens zu nutzen. Bei Volltilgung bieten die Banken oft sogar nochmals günstigere Konditionen an.

Noch Fragen zu Ihrer Baufinanzierung ?

Sollten Sie dieses Thema mit unserer qualifizierten Begleitung vertiefen wollen, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Nehmen Sie bei Bedarf doch einfach Kontakt mit uns auf oder nutzen Sie z.B. unseren Konditionenrechner, um sich bereits ein konkretes Angebot einzuholen.