Kommt die verspätete Insolvenzwelle? Der Konjunkturausblick 2021.

Fürst Fugger Privatbank

Teil 3 des Ausblicks auf 2021: Konjunktur und Finanzmärkte.

Trotz einer Verlängerung des aktuell herrschenden Lockdowns erwarten die Märkte eine Rückkehr zur Normalität in der zweiten Jahreshälfte. Konjunkturelle Sorgen bleiben dennoch bestehen.

Marko Behring, Leiter Asset Management der Fürst Fugger Privatbank, rät dazu, auch bei den positiven Indizien genauer hinzusehen. So meldete das Statistische Bundesamt im Dezember 13,1% weniger Unternehmensinsolvenzen zwischen Januar und September 2020, als im Jahr davor. „Der Rückgang der Insolvenzen ist unter anderem auf die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht im letzten März zurückzuführen“, erklärt Behring. „Die Bundesregierung wollte so Unternehmen bei Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung in der Corona-Krise helfen.“ Um einer zeitversetzten Insolvenzwelle vorzubeugen, wurde auch noch eine Insolvenzrechtsreform mit neuen Sanierungsmöglichkeiten in Kraft gesetzt. Kernstück ist das neue „Gesetz über den Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen für Unternehmen“, das ein außergerichtliches und vom Unternehmen selbstverantwortlich geführtes Sanierungsverfahren ermöglichen soll. Marko Behring: „Die Insolvenzrechtsreform soll möglichst vielen Betrieben die makelbehaftete Insolvenz ersparen. Zahlungsausfälle und Schuldenschnitte kann sie jedoch auch nicht verhindern.“

Behring geht daher davon aus, dass die konjunkturellen Folgen der Corona-Krise erst später sichtbar werden: Er meint zwar, dass mit Voranschreiten der Impfungen und zunehmender Rückkehr zur Normalität das Aufholpotential vor allem in der zweiten Jahreshälfte überwiegen dürfte. Dennoch rechnet er nicht damit, dass die Konjunkturdelle vor dem Q1 2022 ausgebügelt werden kann.

Global zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab. Der IWF prognostiziert für 2021 ein Wachstum von 5,2%, und erwartet, dass bereits Ende des Jahres das Vorkrisenniveau erreicht werden kann. Behring sieht 2021 eher als ein Übergangsjahr mit ordentlichem Wachstum im zweiten Halbjahr: „Eine globale Rückkehr der Konjunktur zu Vorkrisenniveau wird frühestens 2022 stattfinden.“

Für Asien, und dort vor allem für China, ist er allerdings deutlich optimistischer, auch wenn China im vergangenen Jahr die Prognosen mehrfacht herunterschrauben musste. Die schwierige Phase im ersten Quartal konnte bereits im Jahresverlauf wieder aufgeholt werden und das Reich der Mitte war bereits 2020 wieder zurück auf dem Wachstumspfad. „Für 2021 rechnen wir in China bereits wieder mit Wachstumsraten jenseits der 7% und damit mit einer vollständigen Rückkehr zur Normalität“, so Behring.

Der Blick in die USA fällt etwas gemischter aus. Bedingt durch Covid 19 ist dort nach zwei stärkeren Erholungsquartalen seit November 2020 wieder eine leichte Abkühlung der US-Konjunktur zu beobachten. Bis die neuen Rettungspakete in vollem Umfang greifen, sollte es März werden. „Der US Wirtschaft steht ein etwas holpriger Start in das Jahr 2021 bevor und sie dürfte erst ab dem zweiten Quartal wieder Fahrt aufnehmen“, meint Marko Behring. Insgesamt erwartet er für 2021 ein solides US Wachstum mit einer 3 vor dem Komma.

Im Gegensatz zum Wirtschaftswachstum haben die Märkte bereits im vergangenen Jahr das Vorkrisenniveau überschritten. Bleibt dann überhaupt noch Luft für weiter steigende Aktienkurse?

Marko Behring rät zur Differenzierung: „Wir gehen davon aus, dass die nächsten zwei Jahre ein Stock-Picker Markt werden. Nicht die Aktie per se ist alternativlos geworden; die richtigen Aktien jedoch schon.“ Für ihn bedeutet dies konkret, den Fokus auf die Qualität des Geschäftsmodells und Güte der Finanzstruktur beizubehalten.

So stabile Märkte wie seit April 2020 erwartet Marko Behring für die nächsten 12 Monaten eher nicht: „Anleger sollten sich darauf einstellen, dass 2021 den einen oder anderen Rücksetzer sowie Sektor Rotationen mit sich bringen kann. Diese Rücksetzer muss man aussitzen – auch wenn sie etwas heftiger ausfallen.“ Für Behring hat hier die scharfe Korrektur im Februar und März 2020 sogar einen positiven Beitrag zur generellen Aktienkultur in Deutschland geleistet. „Wer als Anleger das Frühjahr 2020 durchgestanden hat, lässt sich vermutlich so schnell nicht mehr abschrecken.“

 


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