Biden, Brexit und das Ende der Ära Merkel – was die Märkte 2021 politisch bewegt.

Fürst Fugger Privatbank

Teil 2 des Ausblicks auf 2021: Politik

Das Jahr 2020 war, neben der allgegenwärtigen Pandemie, auch ein Jahr politischer Ereignisse: denken wir nur an die US-Präsidentschaftswahlen, die andauernden Verhandlungen zum Brexit, den Umgang der Regierungen mit Corona oder die im Zuge der Krise geschnürten fiskalpolitischen Maßnahmen.

Für Marko Behring, Leiter Asset Management der Fürst Fugger Privatbank haben diese Ereignisse nicht nur 2020 den Markt beeinflusst, sondern werden auch stark in das kommende Jahr hineinwirken. So werden die Börsianer sehr aufmerksam auf die ersten 100 Tage im Amt des neuen US-Präsidenten Joe Biden blicken: „Mit der Wahl Bidens hat sich die Ausgangslage für weiterführende fiskalische Anreize verbessert“, meint Behring. „Auch die Handelspolitik sollte unter der neuen Regierung börsenfreundlicher ausfallen.“ Generell erwarten die Anlagestrategen der Fürst Fugger Privatbank von Bidens Legislatur keine fiskal- oder steuerpolitisches Störsignale. Jedenfalls nicht in den ersten zwei Jahren. Marko Behring weiter: „Biden hatte im Wahlkampf Steuererhöhungen angedeutet. Angesichts der konjunkturellen Lage sind die jedoch bereits jetzt kein Thema mehr und werden auch 2021 nicht für Unruhe sorgen.“

Mit Interesse werden die Börsianer die Stichwahlen um den US-Senat in Georgia beobachten. Die Wahl am 5. Januar wird entscheiden, welche Partei die Kontrolle über den US-Senat bekommt. Die Demokraten, die gegenwärtig das Repräsentantenhaus kontrollieren, könnten im Falle eines Sieges die nächsten zwei Jahre durchregieren. Marko Behring sieht bei den Börsen eine Präferenz für ein Patt: „Interessanterweise hat der S&P 500 seine besten Durchschnittsrenditen bisher dann erzielt, wenn ein Demokrat Präsident war, die Kontrolle über die beiden Kammern des Kongresses aber auf zwei Parteien aufgeteilt war.“

Doch nicht nur in den USA wird es politisch spannend, sondern auch in Deutschland. 2021 werden neben dem Bundestag auch noch fünf Landtage neu gewählt. „Vor allem die Bundestagswahl wird im In- und Ausland mit großem Interesse verfolgt“, so Marko Behring. „Mit Angela Merkels Kanzlerschaft endet im nächsten Herbst die Amtszeit einer der wichtigsten politischen Figuren Europas. Da fragen sich viele Beobachter, wer in diese sehr großen Fußstapfen tritt.“ Erste Prognosen zur zukünftigen wirtschaftspolitischen Ausrichtung der Union sind für Behring aber schon zu Beginn des Jahres 2021 möglich, wenn die CDU ihren Vorsitzenden wählt. Neben Friedrich Merz, Armin Laschet und Norbert Röttgen wird in letzter Zeit auch immer häufiger Jens Spahn als möglicher Kandidat gehandelt. Der Parteichef hat in der Union traditionell ein „Erst­zugriffs­recht“ auf die Kanzler­kandidatur. Doch da wäre auch noch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, der derzeit in den meisten Umfragen vorn liegt.

Marko Behring: „Für die Bundestagswahl wird viel davon abhängen, ob die Union ihren Rückenwind aus der Corona-Krise mitnehmen kann. Bleibt sie deutlich stärkste Kraft, dürfte auch der wirtschaftspolitische Kurs der Regierung im Wesentlichen beibehalten werden.“

Ein weiteres Thema, dass die Märkte jahrelang beschäftigt hat, und nun zum Jahresende 2020 fast wider Erwarten noch zu einem Abschluss gekommen ist, ist der Brexit. Die zähen und langwierigen Verhandlungen haben zu vergleichsweise niedrigen Bewertungen britischer Aktien geführt. Der britische Markt hat auch den dynamischen Anstieg seit März nicht in gleicher Weise nachvollzogen wie etwa der S&P 500 in den USA oder der DAX in Europa. „Wir glauben, dass der jetzt erzielte Brexit-Deal eine Aufholjagd britischer Aktien ermöglicht. Mit Blick auf das nächste Jahr suchen wir daher selektiv nach Einstiegen.“

Nahezu unabhängig von den Wahlergebnissen erwartet Marko Behring, dass der durch mittlerweile Mifid III eingeleitete stärkere Fokus auf nachhaltige Finanzanlagen im kommenden Jahr mehr Fahrt aufnimmt: „Wir erleben, dass nachhaltige Lösungen von immer mehr Kunden bewusst nachgefragt werden. Dieser Trend wird sich in einschlägigen Branchen eher noch verfestigen.“ Zwar gebe es teilweise übertrieben hohe Bewertungen, wie etwa im  Wasserstoffbereich, aber, so Behring: „Generell dürften alle Branchen, die einen gewissen Nachhaltigkeits-Spin haben, schon aus regulatorischen Gründen auch im nächsten Jahr gefragt bleiben und weniger Rückschlagpotentiale aufweisen als ihre konventionellen Pendants.“

 

 


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