Weltwirtschaft schwächelt, deutsche Wirtschaft wächst, Bauzinsen kratzen am Allzeittief

Zinskommentar der Dr. Klein Privatkunden AG – Mai 2019

Positive Wirtschaftsnachrichten aus Deutschland: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) steigt im ersten Quartal 2019 überraschend stark +++ „Ostereffekt“ sorgt für höhere Inflation im Euroraum +++ Vor der Europawahl: Angst vor Rechtsruck, Chaos in Großbritannien +++ EZB berät über Entlastung von Banken+++ Handelsstreit zwischen USA und China droht zu eskalieren +++ Baufinanzierungszinsen erreichen neuenTiefstand +++ Bestzins fürzehnjährige Hypothekendarlehen: 0,78Prozent (Stand: 14.05.2019) +++


Vom 23. bis 26. Mai 2019 wird in den 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union gewählt –inklusive Großbritannien. Bis zuletzt hatte Premierministerin Theresa May versucht, die Wahlteilnahme zu verhindern–ohne Erfolg. Jetzt müssen die Briten im Eiltempo nicht nur die Wahl selbst, sondern auch den Wahlkampf organisieren. Umfragen zufolge dürften die Briten sowohl die regierenden Tories als auch die Oppositionspartei Labour für das Brexit-Chaos abstrafen. Stattdessen könnte die neu gegründete Brexit-Partei stärkste Kraft werden. Kommt es tatsächlich so, dann ziehen damit zahlreiche erbitterte EU-Gegnerzumindest vorübergehend ins EU-Parlamentein. Bis zum Austritt könnten sie wichtige Entscheidungen, etwa über den Haushalt oder die Wahl der neuen EU-Kommission,blockieren und die EUdamitlähmen.Gleichzeitig lassen auch Umfragen in anderen Mitgliedstaaten ein Erstarken der rechten und europakritischen Parteien erahnen. Eine Befürchtung, die auch Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender der Dr. Klein Privatkunden AG, teilt: „Ich erwarte, dass rechtspopulistische Parteien insgesamt zulegen werden.“ Ein moderater Zuwachs sei für die Finanzmärkteallerdings zu verkraften: „Einen gewissen Zulaufder rechtsextremen Parteienhaben die Finanzmärkte bereits eingepreistund ich gehe auch nicht davon aus, dass wichtige Positionen mit Populisten besetzt werden“, so Neumann weiter.
 
EZB berät über Bankenentlastung
Im April stieg die Kerninflation im Euroraumzwarleicht –von 1,0Prozent im März auf 1,3 Prozent. Gleichzeitig korrigierte allerdings die EU-Kommission ihre Prognose zum Wirtschaftswachstum in der EU erneut nach unten. Michael Neumann gehtdahernicht davon aus, dass die positive Entwicklung der Inflation anhält: „Die Kerninflation wird sich in diesem Jahr nicht nachhaltig in Richtung zweiProzent oder gar darüber bewegen.“ Auch die EZB erwartet keine Konsolidierung der Inflation und behältdie expansive Geldpolitik zur Unterstützung der Wirtschaft bis auf weiteres bei. Aktuell beraten die europäischenNotenbänker darüber, welche geldpolitischen Maßnahmen zur Verfügung stehen, um die Banken von den Folgen der jahrelangen Niedrigzinspolitik zu entlasten.
 
Statistisches Bundesamt überrascht mit positiven Wirtschaftsdaten
Im vierten Quartal 2018 stagnierte das Wachstum des BIP, im dritten Quartal 2018 ging die deutsche Wirtschaftsleistung sogar um 0,2 Prozent zurück. Auch für das erste Quartal 2019 waren die Erwartungendaher wenig positiv. Das Statistische Bundesamt überrascht nun mit erfreulichen Zahlen: Die deutsche Wirtschaft legte im Vergleich zum Vorjahresquartal um 0,4 Prozent zu. Verantwortlich für das Wachstum sind vor allem die boomende Baubranche undkonsumfreudige Verbraucher. Allerdings: Das positive erste Quartal sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass 2019 insgesamt ein eher schwaches Jahr für Deutschland werden dürfte. Auch Michael Neumann erwartet, dass Deutschland im europäischenVergleich an Wettbewerbsfähigkeit verliert:„Deutschland ist nach wie vor stark vom Export abhängig. Dieerneute Eskalation desHandelskonflikteszwischen den USA und ChinasowiemöglicheUS-Strafzölle auf europäische Fahrzeuge wirken sich daherbesonders negativaus. Hinzu kommt, dass die für Deutschland wichtige Automobilindustrievor zahlreichen Herausforderungen stehtund einen fundamentalen Wandelzu anderenAntriebstechnikenund neuen Mobilitätskonzepten gestaltenmuss.“ Probleme sieht Neumann allerdings nicht nur bei den deutschen Unternehmen, sondern auch beider Bundesregierung:„Die Ambitionslosigkeit und der Reformstau dieser und der letzten Bundesregierung führenimmer mehr zu Standortnachteilen für Unternehmen.Es fehlt an wichtigenZukunftsinvestitionen in Bildung, Infrastruktur oder Wohnen. Die digitale Infrastruktur Deutschlands ist im Vergleich zu anderen Industrienationen nichtmehrkonkurrenzfähig“, so das ernüchternde Fazit Neumanns.
 
Handelskonflikt zwischen USA undChina verschärft sich
Im Dezember 2018 trafen sich der chinesische Staatschef Xi Jingping und US-Präsident Donald Trump beimG20-Gipfel inArgentinien und einigten sich auf eine Art Waffenstillstand. Seither keimten immer wieder vorsichtige Hoffnungen auf eine Entspannung des Zollstreites auf. Die vergangenen Tage zeigen jedoch das Gegenteil: Der Handelskonflikt wird von beiden Seiten weiter geschürt und drohtzu eskalieren. Die USA haben die Einfuhrgebühren für chinesische Produkte im Wert von 200 Milliarden Dollar von zehn auf25 Prozent angehoben. In einem weiteren Schritt könntendie Zölle sogarauf alle Importe aus Chinaausgeweitet werden. China reagierte prompt und kündigtezusätzliche Zollabgabenauf amerikanische Waren im Wertvon 60 Milliarden Dollarab Junian.Trotz der Handelsstreitigkeiten entwickelte sich auch das US-amerikanische BIP im ersten Quartal überraschend positiv. Michael Neumann geht allerdings davon aus, dass das Wachstum zu einem großen Teil auf die massiven Steuersenkungen Trumps zurückzuführen ist. „Wenn sich der Handelskonflikt mit China ausweitet, dann wird sich die US-Konjunktur ebenfalls eintrüben. Da dieses Szenario gerade wieder wahrscheinlicher ist, erwarte ich auch die amerikanische Notenbankweiter im Beobachtungsmodus.“ In der letzten Sitzung Ende April ließ die Fed den Leitzins vorerst unangetastet.
 
Bauzinsen nähern sich dem Allzeittief an
Anfang Mai bewegte sich die Rendite der 10-jährigenBundesanleihe für wenige Tage wieder in den leicht positiven Bereich. Am 14. Mai erreichte sie allerdings mit -0,06Prozenteinen weiterenTiefstand. Der Bestzins 10-jähriger Hypothekendarlehen orientiert sich an der Rendite der Bundesanleihe und bewegt sich daherebenfalls weiter bergab: 0,78 Prozent markieren einen erneuten Tiefststandund die Bauzinsen nähernsichdamit ihrem Allzeittief von 0,68 Prozent im Oktober 2016 an. Bereits seit Februar liegt der Bestzins konstant unterhalb der 1-Prozent-Marke. „Eine Lösung des Handelskonfliktes oder der Brexit-Frage istaktuell nicht in Sicht. Diese und weitere Unsicherheiten wie die Verschuldung Italiens oder der Ausgang der anstehendenEuropawahl dämpfen die Konjunktur und die Inflation. Ich rechne für das Jahr 2019 mit weiter niedrigen Zinsen und kaum Aufwärtspotenzial“, erklärt Michael Neumann.
 
Tendenz
Kurzfristig: eingeschränktes Aufwärtspotenzial
Mittelfristig: schwankend seitwärts
 
 
Über Dr. Klein
Die Dr. Klein Privatkunden AG ist einer der größten Finanzdienstleister Deutschlands und seit über 65Jahren erfolgreich am Markt etabliert. Angefangen in der Vermittlung von Finanzierungen in der kommunalen Wohnungswirtschaft in Lübeck baut Dr. Klein seine Expertise kontinuierlich aus und ist mittlerweile deutschlandweit mit rund 550 Beratern vor Ort an über 200 Standorten bundesweit vertreten. Die Spezialisten von Dr. Klein beraten nachhaltig, allumfassend und verständlich in den Bereichen Baufinanzierung, Versicherung, Ratenkredit und Geldanlage. Dank kundenorientierter Beratungskompetenz und vertrauensvollen Beziehungen zu rund 400 Kredit-und Versicherungsinstituten sichert Dr. Klein seinen Kunden stets den einfachsten Zugang zu individuellen Finanzlösungen. Dafür wird das Unternehmen immer wieder ausgezeichnet. Zuletzt als„vorbildlicher Finanzvertrieb“ und zum fünften Mal in Folge mit dem „Deutschen Fairness-Preis“. Dr. Klein ist eine 100%ige Tochter des an der Frankfurter Börse im SDAX gelisteten technologiebasierten Finanzdienstleisters Hypoport AG.