Energiespartipps

Energie sparen im Haushalt: Was kostet eigentlich ein Grad?

Dr. Klein – Februar 2019

Wie kann man zuhause am besten Energie und Strom sparen? Unsere Autorin Kim hat das mal getestet, dabei festgestellt, dass sie allein 16,50 Euro pro Jahr verföhnt und über 800 Euro im Jahr sparen könnte – gewusst, wie.

Was Energiespartipps wirklich bringen

Wie viel kostet ein Grad? Diese Frage kam mir in den Sinn, als ich neulich abends meine Wohnzimmer-Heizung mit einem etwas schlechten Gewissen auf die 22-Grad-Marke beförderte. Dass Energiesparen im Alltag die Umwelt und den eigenen Geldbeutel schont, hat mittlerweile wohl jeder schon einmal gehört. Gebe ich das Stichwort „Energie sparen“ bei Google ein, spuckt mir die Suche fast drei Millionen Ergebnisse aus. So weit so gut. Aber was bringen diese Tipps ganz konkret? Wie viel Geld spare ich, wenn ich meine Wäsche bei 60 Grad anstelle von 90 Grad wasche? Und was kosten mich zehn Minuten Haare föhnen?

Ich habe die Kosten und Ersparnisse für fünf gängige Energiespartipps einfach mal nachgerechnet.

 

1. Der Letzte macht das Licht aus. Und die Steckdosenleiste!

Stand-by-Betrieb ausschalten: Dieser Hinweis dürfte ein heißer Anwärter auf den Titel „Meistgenannter Energiespartipp“ sein. Alle Elektrogeräte wie Fernseher, Laptop, Musikanlage und selbst die Steckdosenleiste ziehen auch dann noch Strom, wenn sie nicht aktiv genutzt werden. Einfache Maßnahme, um Energie zu sparen: Steckerleisten mit Schalter kaufen und mit einem Klick sind alle eingesteckten Geräte komplett ausgeschaltet.

Annahmen: Stand-by-Betrieb von 23 h/Tag (Annahme: man nutzt die Geräte tgl. 1 Stunde), 365 Tage/Jahr; Strompreis: 27 Cent/kWh. Quellen: dena; VDE.

 

2. Saubere Sache: Energie sparen beim Waschen

Die deutsche Durchschnitts-Waschmaschine ist ein ziemliches Arbeitstier: Sie reinigt über 500 Kilogramm Wäsche pro Jahr. Mal abgesehen davon, dass auch eine Waschmaschine einen Stand-by-Betrieb hat, erhöhen vor allem eine zu hohe Waschtemperatur und eine geringe Energieeffizienz des Gerätes den Stromverbrauch.

Beispiel: Ein 90-Grad-Waschgang verbraucht über 40 Prozent mehr Strom als ein Waschgang bei 60 Grad Celsius. Ähnliches gilt für die Geschirrspülmaschine: Hier lässt sich durch einen um 15 Grad kälteren Spülgang 0,5 kWh Strom sparen. Wer Umwelt und Geldbeutel schonen will, sollte den Trockner weniger nutzen und stattdessen zur guten, alten Wäscheleine greifen.

Annahme: Strompreis: 27 Ct/kWh. Quelle: energis.de.

 

3. Tatort Badezimmer: Energiespartipps für Warmduscher

So ein Föhn hat es ganz schön in sich: Ganze 2.000 Watt verbraucht er in einer Stunde. Wenn man sich – so wie ich – jeden Tag die Haare föhnt, kommt da einiges an Stromkosten zusammen: Ich „verföhne“ immerhin rund 16,50 Euro in einem Jahr. Noch deutlich mehr als der Föhn kostet mich allerdings die Dusche davor: Bei einer zehnminütige Dusche mit einem normalen Duschkopf betragen die Stromkosten gut 1,08 Euro. Dusche ich jeden Tag verbrauche ich also in einem Jahr fast 400 Euro! Zumindest alle Besitzer eines Durchlauferhitzers können im Badezimmer daher besonders viel Strom sparen.

Annahme: Strompreis: 27 Ct/kWh. Quelle: stromverbauch.info.

 

4. Backe, backe, Kuchen: Aber bitte ohne Vorheizen!

Für das Kochen und Backen wenden wir etwa 15 Prozent unseres gesamten Stromverbrauchs auf. Es sind vor allem zahlreiche kleine Angewohnheiten, mit denen wir in der Küche unnötig viel Energie verbrauchen. Dazu zählen zum Beispiel das Vorheizen des Backofens, das Kochen ohne Deckel oder zu spätes Umschalten auf eine geringere Hitze. Hinzu kommen einige Punkte, die scheinbar offensichtlich sind, aber manchmal doch vergessen werden: Kühl- und Gefrierschrank sollten möglichst weit entfernt von Wärmequellen wie Herd, Ofen oder Heizung stehen. Und Speisen wandern natürlich erst nach dem Abkühlen hinein.

Annahme: Strompreis: 27 Ct/kWh. Quellen: stromverbrauch.info, energis.de.

 

5. Hoodie statt Heizung: Was kostet ein Grad Wärme?

Eine Faustregel besagt: Jedes Grad Raumtemperatur weniger spart etwa sechs Prozent Energie. Allerdings: Je kühler ein Raum ist, desto häufiger muss gelüftet werden. Sonst steigt die Gefahr von Schimmelbildung. Was also ist die optimale Temperatur? Das Umweltbundesamt empfiehlt 20 Grad für Wohnräume. Wer tagsüber bei der Arbeit ist, sollte die Temperatur in dieser Zeit auf 18 Grad reduzieren. Bei einer Abwesenheit von mehreren Tagen könne die Temperatur sogar auf 15 Grad gesenkt werden. Auch durch das richtige Lüften lässt sich Energie sparen. Denn: Die Wärmeverluste durch langfristig gekippte Fenster sind enorm hoch. Zudem droht Schimmelbefall, wenn die Fensterseiten zu stark auskühlen. Korrektes Lüften heißt, mehrmals täglich für maximal zehn Minuten Stoßlüften.

Annahmen: 4-Personen-Haushalt, unsaniertes Einfamilienhaus mit Gas-Heizung, Heizkosten: 2.788 €/Jahr.
Quellen: dena; Stiftung Warentest; energieheld.de.

 

Fazit: Diese Energiespartipps füllen meine Kasse!

Berücksichtigt man alle Energiespartipps, reduziert sich allein der Stromverbrauch um rund 1.000 kWh pro Jahr – und das spart nicht nur Geld, sondern auch gut 476 kg CO2. Wer zusätzlich optimal heizt und lüftet, kann eine Gesamtersparnis von stolzen 855,53 Euro im Jahr erreichen. Aber Vorsicht, falls ihr mit dieser Ersparnis in Gedanken schon euren nächsten Urlaub plant: Ein Flug nach Mallorca und zurück belastet unser CO2-Konto mit rund 734 kg CO2 – und damit hätten wir alle Energiespar-Bemühungen innerhalb weniger Stunden wieder zunichte gemacht.