DAX

Umso länger sich der Krieg in der Ukraine hinzieht, umso nervöser werden die Anleger. Der DAX verlor allein in der letzten Handelswoche 1.473 Punkte oder 10,11 % und schloss bei 13.094 Punkten. Wer dachte, damit wäre das Gröbste bereits ausgestanden, der täuscht sich. In der heutigen Eröffnung geht es massiv abwärts. Der DAX notiert aktuell unter der Marke von 12.500 Punkten. Zum Vergleich – dieses Niveau sahen wir zuletzt im November 2020, kurz bevor die Nachricht über die Verfügbarkeit eines Impfstoffes gegen Covid-19 die Stimmung und somit die Kurse deutlich nach oben bewegte. Von solch einem Szenario sind wir aktuell weit entfernt. Nachdem sich immer stärker abzeichnet, dass mit einem Öl-Embargo russischen Rohöls zu rechnen ist, spielen die Investoren vermehrt die Stagflations-Karte. In einer solcher Situation spielt das Chartbild eines Index keine Rolle mehr. Dennoch sollte es nicht unerwähnt bleiben. Der DAX hat aktuell die wichtige Unterstützung in Form des Gaps aus dem November 2020 bei 12.596/12.671 Punkten gerissen. Sollte es nicht im Tagesverlauf zu einer Gegenbewegung kommen, drohen weitere Abgaben bis zur Marke von 12.000 Punkten. Darunter finden sich die Oktobertiefs aus 2020 bei 11.450 Punkten. Die Oberseite wollen wir nicht unerwähnt lassen. Erst oberhalb von 13.700 Punkten würde sich das Chartbild leicht entspannen.
 

Euro Stoxx 50

Der Euro Stoxx 50 ging am Freitag mit einem Punktestand von 3.556 Punkten aus dem Handel und gab auf Wochensicht -10,42 % ab. Es war eine miserable Woche für den europäischen Aktienmarkt, da im Russland-Ukraine-Konflikt die Lage weiter eskaliert und eine baldige Lösung nicht in Sicht ist. Von der Verkaufswelle waren der Automobil- und der Bankensektor mit Verlusten von -18,21 % und -15,98 % am stärksten betroffen. Der Basic Resources Sektor konnte als Einziger die Woche mit einem Zuwachs von 1,41 % abschließen. Charttechnisch befindet sich der Euro Stoxx 50 nach den massiven Abverkäufen mit aktuell 600 Punkten oder 14,50 % unter der 200-Tage-Linie im technischen Niemandsland und wurde somit auf ein Niveau vom Januar 2021 zurückkatapultiert. In diesen Extremphasen, in denen der Kurs so weit von seinem statistischen Bewegungsbereich entfernt liegt, ist eine Einschätzung schwer. Die 3.500 Punktemarke erwies sich Ende 2020 als wichtige Widerstands- und Unterstützungsmarke und könnte eine Stabilisierungszone darstellen. Im vorbörslichen Handel wurde diese aber auch schon deutlich unterschritten.
 

Dow Jones Industrial

Der Dow Jones konsolidierte in der vergangenen Woche um 1,3 %. Er schloss bei 33.615 Punkten. Da gleichzeitig der US-Dollar zum Euro aufwertete erzielten europäische Anleger in der Vorwoche sogar Kursgewinne. Die geopolitische Lage belastet nach wie vor und es ist nicht abzuschätzen, ob sich die Krise nicht noch vertieft. Profitieren von dieser Entwicklung konnte der Energie-Sektor, der um 9,3 % in der letzten Woche zulegen konnte. Der Ölpreis für das amerikanische WTI-Rohöl notiert bereits über 115 USD je Fass. Die Unsicherheit führte auch zu einer sanfteren Sprache bei der US-Notenbank; die nur noch eine Zinserhöhung von 25 Basispunkten im März in Aussicht stellt. Finanzwerte litten unter dieser Aussage und verloren auf Wochensicht 4,9 %. Die Terminmärkte signalisieren heute zum Wochenstart für den Dow Jones eine Eröffnung unter 33.000 Punkten, was einem Minus von 1,8 % entspricht und damit rutscht der Dow Jones wieder unter die wichtige Unterstützungszone bei 33.000 Punkten. Dennoch notiert der Dow Jones noch über dem Intraday-Wochentief von Ende Februar, als er 32.231 Punkten erreichte. Die Volatilität an den US-Börsen kann in dieser Woche durchaus noch zunehmen, aber aus unserer Sicht sollten sich Marktteilnehmer davon nicht nervös machen lassen. Es besteht in dieser Woche nach wie vor das Potenzial für eine technisch bedingte Erholung, da die US-Börsen sich nach wie vor in überverkauftem Terrain befinden. Unter der Oberfläche kristallisieren sich vereinzelt positive Divergenzen heraus, die eine Abschwächung des Abwärtsmomentums signalisieren. Insofern hat der Dow Jones in dieser Woche noch mal eine sehr gute Chance eine Bewegung in Richtung der 200-Tage-Linie zu starten, die aktuell bei 35.043 Punkten verläuft. Eine Rückeroberung dieser Linie ist elementar, um mittelfristig weiterhin optimistisch für die US-Börsen bleiben zu können. Selbst wenn sich die US-Märkte in einem frühen Bärenmarkt befinden sollten, gehen wir davon aus, dass die Korrektur zum aktuellen Zeitpunkt sehr weit fortgeschritten ist und die US-Märkte nochmals eine investierbare Aufwärtsbewegung starten.
 

Bund-Future

Der Bund-Future notiert aktuell bei 168,09 %-Punkten. Die Zuspitzung der Ukraine-Krise erhöht die Nachfrage nach 10-jährigen Bundesanleihen und unterbricht deren Abwärtstrend. Die Flucht in Sicherheit beflügelt zudem auch die 10-jährigen US-Staatsanleihen. Dies hat dazu geführt, dass die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe erneut im negativen Bereich notiert. In Anbetracht der geopolitischen Risiken erscheint eine Straffung der europäischen Geldpolitik nicht mehr selbstverständlich, wodurch der Druck auf die europäischen Peripherie-Staaten abnimmt. Die Zentralbanken werden zwischen Wachstums- und Inflationssorgen abwägen müssen.
 

Einschätzung

Die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft sind aktuell noch nicht verifizierbar. Klar scheint, dass im Falle eines Öl-Embargos gegen Russland die Energiemärkte in das schlimmste Chaos gestürzt würde, welches wir bislang erlebt haben. Die Inflationsraten würden weiter steigen, die Gefahr einer Rezession stiege. Was bedeutet dies für Aktieninvestoren? Zum Verkauf ist es aktuell wohl zu spät und für Käufe noch zu früh. Käufe aktuell nur in defensiven Sektoren und Qualitätstiteln.
 

Stand: 07.03.2022

 


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