Die Bauzinsen schwanken: Der Zinskommentar

Die Bauzinsen schwanken: Der Zinskommentar

Die Bauzinsen schwanken: Der Zinskommentar in 120 Sekunden

Dr. Klein

Der Krieg in der Ukraine und die EZB-Politik beeinflussen die Wirtschaftslage und auch die Zinsmärkte. Dr. Klein-Vorstand Michael Neumann erläutert in (gut) 120 Sekunden, wie sich die Baufinanzierungszinsen entwickeln und gibt Tipps für Anschlussfinanzierungen.

Im Video beantwortet Michael Neumann diese Fragen:

  • Welche Entwicklungen beeinflussen die Bauzinsen zurzeit?
  • Steht Ende des Jahres eine 2 vor dem Komma des aktuellen Bauzinssatzes bei 10-jähriger Zinsbindung?
  • Sollten sich Kunden, deren Anschlussfinanzierung in den kommenden Jahren ansteht, jetzt für ein Forward-Darlehen entscheiden?

 

Krieg hat Aufwärtstrend der Bauzinsen gestoppt

Die Bauzinsen sind seit Anfang des Jahres stark gestiegen – immer wieder haben die Banken ihre Zinssätze nach oben angepasst. Dieser Anstieg ist jetzt, mit Anfang des Krieges gegen die Ukraine, vorerst gestoppt: Zu unsicher sind die Folgen für die europäische Wirtschaft. Aufgrund der sehr unsicheren Lage ist es schwierig vorherzusagen, wie es mit den Zinsen weitergeht: Einerseits wirkt der sich verschärfende Krieg dämpfend auf eine weitere Aufwärtsbewegung aus. Andererseits setzen die hohen Inflationserwartungen die Europäische Zentralbank (EZB) unter Druck, ihre Geldpolitik zu normalisieren und den Zins zu erhöhen.

 

Starke Ausschläge der Bundesanleihe beeinflussen Bauzinsen

In diesen überaus unsicheren Zeiten gelten Bundesanleihen als relativ sicherer Hafen, weswegen Anleger vermehrt ihre risikoreicheren Aktien in Staatsanleihen umschichten. Die Folge der höheren Nachfrage sind sinkende Renditen – und die beeinflussen die Baufinanzierungszinsen und bremsen die Aufwärtsentwicklung tendenziell ab, zumindest kurzfristig. Seit Beginn des Krieges Ende Februar zeigt die Renditekurve starke Ausschläge nach oben und nach unten. „Die Märkte sind aufgrund der angespannten geopolitischen Lage zurzeit hochnervös“, sagt Vorstandsvorsitzender Michael Neumann. Das wirkt sich auch auf die Zinsen für Immobilienfinanzierungen aus: Die Bauzinsen könnten auf absehbare Zeit etwas volatiler – also schwankender – sein als in den letzten Jahren.

“Die Märkte sind aufgrund der angespannten geopolitischen Lage zurzeit hochnervös.”

Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender von Dr. Klein

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Grafik: aktuelle Zinsentwicklung

EZB ebnet den Weg für Zinserhöhungen

Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender der Dr. Klein Privatkunden AG

Ein zweiter Impuls für den Zinsmarkt geht von der Politik der EZB aus. Und die ist konfrontiert mit immer weiteren Steigerungen der Inflationsrate: Nachdem der Wert im Januar schon auf 5,3 Prozent in Europa gestiegen war, setzte der Februar mit 5,8 Prozent noch einen drauf. Und je stärker sich der Krieg verschärft, umso wahrscheinlicher sind weiterhin deutliche Preissteigerungen, besonders für Energie. Deshalb hat die EZB ihre Inflationserwartungen kürzlich erneut deutlich nach oben korrigiert, sie rechnet für das Gesamtjahr mit einer Inflation von 5,1 Prozent. Um den hohen Raten entgegenzuwirken, kündigte EZB-Chefin Christine Lagarde jetzt an, ihre Anleihekäufe in den nächsten Monaten zu reduzieren und sprach von der Möglichkeit, das Kaufprogramm APP im dritten Quartal ganz zu beenden. Dann wäre der Weg geebnet für die Anhebung der Leitzinsen. Ob dies aber schon dieses oder erst nächstes Jahr geschieht, ist ungewiss. Und auch nicht sonderlich relevant für Baufinanzierungen, meint Michael Neumann: „Meines Erachtens spielt der genaue Zeitpunkt des ersten Zinsschrittes keine Rolle, sondern die Perspektive, wie viele Zinsschritte zu erwarten sein werden.“

Grafik: Inflation

Tipps für Anschlussfinanzierungen

Bei einer Erstfinanzierung einer Immobilie ist man nicht wirklich flexibel, was den Zeitpunkt angeht: Meistens muss es einfach nur schnell gehen und das Zinsniveau ist dann so, wie es dann eben ist. Bei der Anschlussfinanzierung gibt es einen größeren Spielraum. Zum einen lässt sich der aktuelle Vertrag ohne zusätzliche Kosten kündigen, wenn die Auszahlung schon zehn Jahre her ist – selbst wenn eine längere Zinsbindung vereinbart wurde. Zum anderen lassen sich die jetzigen Konditionen für eine Anschlussfinanzierung sichern, die erst in einigen Jahren ansteht. Das so genannte Forward-Darlehen kostet zwar einen Aufschlag, dafür bietet es aber maximale Planungssicherheit und Schutz vor eventuell steigenden Zinssätzen. Wer in den nächsten ein bis fünf Jahren eine Anschlussfinanzierung vor sich hat, sollte sich damit also schon jetzt befassen – und sich ausrechnen lassen, welche Variante im individuellen Fall am günstigsten ist.

 

 

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2022-03-19T11:47:38+02:00