Steigene Baustoffpreise

Steigene Baustoffpreise

Baufinanzierung und steigende Baustoffpreise: Was Häuslebauer beachten müssen

Dr. Klein

Die Pandemie ist weiterhin präsent und die Auswirkungen der vergangenen Lockdown-Phasen sind weiter zu spüren: Baustoffe sind knapp und teuer. Grund dafür sind unter anderem noch immer von Corona geschädigte Produktionsabläufe und eine immens gestiegene Nachfrage auf dem Weltmarkt, die das Angebot übersteigt – die Preise für Baustoffe steigen weiter, teilweise unberechenbar. Das hat auch Konsequenzen für all diejenigen, die sich dieses Jahr den Traum vom Eigenheim erfüllen wollen. Wir haben für euch zusammengefasst, was auf Bauherren und solche, die es mal werden wollen, zukommt.

Schwierige Zeiten auf dem Baustoffmarkt

Die Planung eines Bauprojekts ist oftmals langwierig: Erst kommt die Suche nach einem geeigneten Grundstück, dann muss noch die Baugenehmigung folgen. Und nun, wenn es endlich losgehen kann, steigen auf einmal die Preise wie verrückt. Fakt ist: Wer letztes Jahr den Hausbau geplant hat, kommt mit seiner Kalkulation jetzt nicht mehr hin. Und auch, wer ein Haus gekauft hat und hier noch Renovierungen oder Sanierungen plant, muss tiefer in die Tasche greifen, als ursprünglich geplant.

Die meisten Bauunternehmen haben aufgrund der Preissteigerungen Schwierigkeiten, ihre Preise zu kalkulieren. Die Folge: Einige Unternehmen haben bereits die Verträge mit ihren Kunden gekündigt, da sie die angebotenen Preise nicht halten können und sonst auf den Mehrkosten sitzen bleiben würden. Daher bringen viele Anbieter mögliche Nachkalkulationen direkt in den Vertrag mit ein – Bauherren sind also im Zweifel trotz Vertrag nicht auf der sicheren Seite bezüglich ihrer Budgetplanung, und nicht selten kommen sie mit ihrem Budget nicht mehr hin.

 

Die Folgen für alle, die gerade bauen

Die immensen Preissteigerungen stellen Bauherren oft vor Herausforderungen. Auch Claudia Nimmrichter, Spezialistin für Baufinanzierung bei Dr. Klein in Freiberg beobachtet, dass immer mehr Bauherren nachkalkulieren müssen: „Wenn Kreditnehmer während des Baus merken, dass das Geld knapp ist, weil die Baustoffpreise in die Höhe geschossen sind und auch Generalunternehmer ihre Preise nicht mehr halten können, breitet sich verständlicherweise erst einmal Nervosität aus. Denn natürlich möchte niemand, dass das eigene Haus nicht fertiggestellt werden kann, weil das Geld alle ist. Wenn dieses Szenario eintritt, ist es wichtig, dass Bauherren rechtzeitig das Gespräch mit ihrer Beraterin oder ihrem Berater suchen. Gemeinsam lässt sich dann schauen, wie schlimmeres verhindert und die Kuh vom Eis geholt werden kann.“

Wenn alle Stricke reißen: Nachfinanzieren

Sollten also die eingeplanten Geldmittel und Reserven nicht mehr reichen, gibt es noch die Möglichkeit, die bestehende Finanzierung mit einer Nachfinanzierung aufzustocken. Grundsätzlich ist klar: Niemand möchte eine Nachfinanzierung. Weder die Bank noch die Bauherren. In Zeiten rasant steigender Preise kann es aber durchaus vorkommen, dass nichts anderes mehr übrigbleibt, als mit einem weiteren Kredit Geld von der Bank zu leihen. Das Problem hierbei: Eine Nachfinanzierung ist meist teurer als das erste Baudarlehen. Das liegt an den höheren Zinskonditionen, welche die Banken ansetzen, um die fehlende Kreditsicherheit und den hohen Arbeitsaufwand zu kompensieren. Und: Eine Nachfinanzierung ist nur möglich, wenn diese nicht die komplette Haushaltsrechnung sprengt. Eine gute Beratung ist hier unerlässlich.

Wer die letzten zwei Jahre auf bessere Zeiten gehofft hat, ist jetzt maßlos enttäuscht. Und teilweise vor vollendete Tatsachen gestellt

Claudia Nimmrichter, Spezialistin für Baufinanzierung bei Dr. Klein in Freiberg und Weißenborn

Die Folgen für alle, die noch bauen wollen

Die steigenden Kosten bereiten aber auch denen Sorge, die ihr Neubauprojekt noch vor sich haben. Das unkalkulierbare Preischaos führt dazu, dass einige Banken mittlerweile restriktiver werden bei der Kreditvergabe, weiß Claudia Nimmrichter. „Die Preissteigerungen sind mittlerweile unberechenbar geworden. Bei knappen Haushaltsrechnungen, bei denen nichts mehr schief gehen darf, gehen einige Banken nicht mehr mit. Wenn deutlich wird, dass eine Nachfinanzierung das Budget sprengen würde, stirbt der Traum vom Eigenheim mittlerweile leider oft. Viele angehende Bauherren haben die letzten zwei Jahre den Traum vom Eigenheim aufgeschoben – zum einen wegen der Unsicherheit zu Beginn der Pandemie, dann kamen der Baustoffmangel und die in dem Zuge gestiegenen Preise hinzu. Und natürlich sind Baugrundstücke und Häuser auch nicht ad hoc verfügbar. Wer die letzten zwei Jahre auf bessere Zeiten gehofft hat, ist jetzt, zurecht, maßlos enttäuscht – und teilweise vor vollendete Tatsachen gestellt, weil der Plan vom Traumhaus auf der Kippe steht.“

 

Auf der sicheren Seite

Was können angehende Bauherren jetzt noch tun, um ihre Finanzierung in trockene Tücher zu bringen und nicht von Preissteigerungen überrascht zu werden? Für alle, die dieses Jahr Neubau- oder Sanierungsprojekte realisieren möchte, hat die Spezialistin folgende Tipps:

Haben ist besser als brauchen – ausreichend Puffer einplanen

Angehende Bauherren sollten von vornherein einen ausreichenden Puffer in der Finanzierung einplanen, mindestens zehn Prozent und lieber zu viel, als zu wenig. Sollte ein nicht benötigter Kreditpuffer übrig sein, kann dieser wiederum in eine Sondertilgung gesteckt werden.

Sofern möglich, ist es auch sinnvoll, einen größeren Puffer an Eigenkapital auf dem Konto zu verwahren. Auch so können Preissteigerungen aufgefangen werden.

Einen genauen Kostenplan erstellen

Grundsätzlich sollten Käufer und Bauherren immer eine möglichst genaue Vorstellung haben, welche Kosten auf Sie zukommen. Aktuell lohnt es sich, noch genauer hinzuschauen. Häufig geht der eingeplante Finanzierungspuffer für die Inneneinrichtung drauf, weil hier nicht genau geplant wurde und die schönsten Türen oder Fliesen dann doch teurer sind, als gedacht. In Zeiten schwer kalkulierbarer Baustoffe sollte während der Planungsphase die zukünftige Innenausstattung nicht nur grob kalkuliert, sondern schon genauestens begutachtet sein. Am besten hat man sich die tatsächlichen Materialien bereits angesehen – auch, wenn es direkt am Anfang des Vorhabens noch zu früh erscheint, sich mit Türen und Fliesen auseinander zu setzen. Hierbei kann man sich schnell verschätzen – und der oben genannte Puffer sollte lieber für andere unerwartete Kosten bereitstehen.

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2022-02-22T12:35:17+02:00